Dienstag, 29. Januar 2008

Island 2006

Kennt ihr schon Hakarl?
Nicht?
Wenn er vor euch steht werdet ihr ihn am Geruch erkennen, so viel ist klar. Nein, es kein Kumpel von mir, es ist eine isländische Speise. Nicht nur eine Speise, sondern auch eine echte Mutprobe, denke ich. Aber sie scheint zu wirken, denn es fühlt sich an würde das Blut warm durch die Adern fliessen, was der Grund dafür sein soll, dass diese Speise einen so hohen Beliebtheitsgrad in Island hat. Es handelt sich dabei um fermentierten Grönlandhai. Kleiner Auszug aus Wikipedia gefällig?
Geruch und Geschmack des Gerichts sind sehr intensiv und können bei Kulturfremden Ekel auslösen, mitunter auch bei Isländern selbst. Und es kommt noch schlimmer, lest selbst. Hákarl. Die isländische Küche hat aber noch mehr Überraschungen längs Durchtrennte Schafsköpfe, Bullenhoden, kleine niedliche Papageientaucher. Gut, das ist jetzt gemein, bei uns gibt es ja auch Kükenragout. Nicht nur die Küche, sondern auch das Wetter bietet das volle Programm. Täglich alle Wetterlagen, und das zu nahezu jeder Jahreszeit. Wir hatten Glück, denn es schneite nie. Im Gegenteil, am ersten Tag unseres Trecks ab Landmannalaugar war Kaiserwetter. Mir war sofort klar, dass es dabei nur einen Bluff handeln konnte. Die einmaligen geologischen Formen und Farben sollten darüber hinwegtäuschen, dass es sich bei Island um ein karges, unwirtliches Land handelt. Im Inland ist Trinkwasser rar, und die fruchtbaren Küstenstreifen werden immer mehr von den Geröllfeldern der Gletscher überzogen, weil die Gletscherflüsse ihre Sedimente ablagern. Was vor 300 Jahren noch bestes Weideland war, ist heute nur noch eine Schotterebene, genannt Sandur. Wir hatten Wasser. Wasser und gutes Wetter. Also was scheren uns vergangene Gletscherläufe und Vulkanausbrüche, durch deren erkalteten Speichel wir nun liefen. Nach ein paar Stunden liessen wir die TagesausflüglerInnen hinter uns und waren relativ allein. Relativ, denn Landmannalaugar bietet sich für Wochenendausflüge an. Kein wunder, denn der Weg hat viel zu bieten. Seht selbst. Ich würde sagen, das Wetter verschlechterte sich, aber eigentlich wurde es normal. Ein kühler Wind kam auf und leichter Regen setzte ein. Die erste Hütte stand auf ca. 1000 Meter voll im Wind und die Temperatur dort kann ich ruhigen Gewissens als Arschkalt bezeichnen. Es war so windig, dass die Zelte auf dem angrenzenden Zeltplatz mit Steinwällen geschützt werden mussten. Dauerhaft wohlgemerkt, denn das Wetter scheint hier oben bei der Hrafntinnusker meistens feucht und stürmisch zu sein. Nicht wundern, das ist nicht die Hütte, sondern das Klo. Die nächste Etappe, die zum Alftavatn (vatn=See) führt, begann nicht nur bei dichtem Nebel, sondern blieb auch eine ganze Zeit so. Eigentlich blieb einfach alles so, auch die Landschaft. Ein Hügel folgte dem anderen so weit das Auge reicht. Schier endlos sind sie aneinander gereiht. Doch die Natur hat eine Lösung gefunden um das Wandern nicht zu langweilig werden zu lassen. Das Zauberwort heisst Vulkanasche. Sie sorgt nicht nur dafür, dass das Laufen mehr Kraft kostet, sondern fördert auch die Konzentration, weil das Abrutschen von den kleinen Hügeln mit schwerem Rucksack sehr schwierig ist. Irgendwann war es dann soweit. Der Nebel konnte sich nicht länger halten und die Sonne kam durch. Die Motivation stieg, die Hügel wurden kleiner und das Gehen war nicht mehr so kräftezehrend. Etwas später, als uns wieder eine gewisse Monotonie gedanklich zu lähmen schien, öffnete sich die Landschaft und gab den Blick auf den Alftavatn frei. Unglaublich. Es war einfach nur ein unglaublicher Anblick. Unser Ziel war vor quasi vor unseren Augen und bot diesen wundervollen Ausblick, der uns alle Anstrengungen vergessen liess. Gut, es war schon noch etwas zu laufen und zwei kleine Bäche mussten gefurtet werden, aber was machte das schon. Wir waren fast "zu Hause". Bei der Hütte angekommen, holte ich die erste Überraschung aus dem Rucksack. Wir sassen erschöpft und glücklich vor der Hütte und genossen Kaffee mit Baileys. Der nächste Tag sollte der Tag des Wassers und des Sandes werden. Wasser von unten, Wasser von oben und Sand so weit das Auge reicht. Er begann am Morgen mit Wasser von oben. Erst weniger, dann mehr, dann noch mehr, dann mit viel, viel Wind. Super! Abenteuer pur! Doch erst einmal zum Anfang des psychisch anstrengenden Tages. Zuerst galt es im strömenden Regen mehrere Bäche und Flüsse zu furten, bzw. durchwaten. Ich testete einige Varianten und fand für mich die folgende Lösung, wobei ich aber inzwischen auf diese Schaumstoffschuhe gestossen bin, die zwar viel Rucksackvolumen in Anspruch nehmen, aber enorm leicht und bequem sind. Doch "damals" 2006 in Island, kannte ich diese Schuhe noch nicht und kam auf meine "Leichtbau- Schnelllauf"- Version. So hatten wir viel, viel Wasser von oben, weil der Regen einfach nicht aufhören wollte und von unten, weil wir die Flüsse möglichst überlisten wollten. Nach dem "ich weiss nicht wievielten Fluss" standen wir vor der Aschewüste. Der Weg zur Botnaà- Hütte führt durch die Wüste. Eine gefühlt endlose Wüste mit Regen ohne Ende. Oh, ich vergass den Wind. Er ist einfach allgegenwärtig, weshalb ich immer wieder vergesse ihn zu erwähnen. Doch seht selbst. Doch irgendwann, wenn man denkt es gebe keinen letzten Hügel, keinen Ausweg, keine Hütte, irgendwann steht man eben auf diesem und sieht nach Stunden endlich etwas grünes. Grün, und rote Dächer. Wunderbare rote Dächer von wunderbaren Hütten. Und als wäre das nicht genug, hatten die ersten angekommenen TrekkerInnen heisses Wasser für alle gemacht. Es wurde ein netter Abend mit vielen interessanten Gesprächen. Alle Personen die es bis zu dieser Hütte geschafft hatten, waren jetzt ein kleines bischen miteinander verbunden. Die letzte Etappe nach Þórsmörk war wieder einfach nur schön. Es wehte wie immer ein heftiger Wind, aber die Natur hatte weitere Überraschungen für uns. Nicht weit von der Hütte öffnete sich der Boden und gab ein ein Flussbecken mit roten Steilwänden frei. Ein wunderbarer Blick, der aber einige Vorarbeit kostete. Später ging es über eine kleine Hochebene mit Blick auf den Entulökull (jökull = Gletscher), einen Pass und durch weite, mit Gras uns Birken bewachsene Ebenen. Vor Þórsmörk wartete noch ein Flussdelta auf uns, schliesslich sollten wir das Furten nicht verlernen. Kurze Zeit später waren waren wir am Ziel. Þórsmörk. Das Paradies der Jeepfahrer, die miese Tour der Busfahrer, die warme Zuflucht der Trekker.

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